Gruselnacht zu Halloween
Letztes Jahr Oktober war ich auf Mallorca, um Freunde zu besuchen. Es war eine wunderschöne Woche voller Sonne, Meer und gemütlicher Abende mit gutem Essen und langen Gesprächen. Ich war richtig erholt – bis ich auf dem Rückweg in Toulon/Frankreich ankam.
Passenderweise war es fast Halloween, als ich dort landete – und ohne es zu ahnen, stand mir meine ganz eigene Gruselnacht bevor.
Meine Fähre legte spät in Toulon an, also dachte ich mir: eine Nacht bleiben und etwas ausruhen, bevor es weitergeht...Tja – das hätte ich lieber gelassen.
Ankunft mit Hindernissen
Schon die Anreise zur Unterkunft war ein kleines Abenteuer, allerdings kein angenehmes.
Der angegebene Parkplatz entpuppte sich als Parkhaus mehrere Hundert Meter entfernt, zu dem man nur mit einem Schlüssel Zugang hatte – den man erst in der Unterkunft bekam. Direkt davor zu parken war fast unmöglich: enge Straße, hupende Autos, kein Platz zum Anhalten.
Als ich endlich im Haus stand, wusste ich sofort, dass hier etwas nicht stimmt. Das Gebäude war alt, wahrscheinlich über hundert Jahre. Stromkabel hingen lose von der Decke, der Putz bröckelte, und ein modriger Geruch schlug mir entgegen. Das Viertel wirkte laut, unruhig und alles andere als einladend.
Das Appartement selbst war klein, muffig und lieblos eingerichtet. Zum Bett kam man über eine instabile Leiter, die schon beim ersten Tritt wackelte.
Der „Garten“ und andere Versprechen
In der Anzeige war von einem Garten die Rede – in Wirklichkeit handelte es sich um einen vernachlässigten Hinterhof, übersät mit Laub und alten Plastikstühlen. Als ich die Tür dorthin öffnete, huschten Mäuse an der Regenrinne entlang. Von oben tobten Kinder über den Balkon.
Spätestens da stand für mich fest: Hier bleibe ich keine Nacht.
Ich schrieb dem Gastgeber, erklärte die Situation und bat um eine Lösung. Doch der zeigte keinerlei Entgegenkommen, obwohl er laut Booking.com und Airbnb mehrere Apartments in Toulon besitzt. Später sah ich mir die Bewertungen genauer an: Einige sehr schlechte, aber auch auffällig viele übertrieben positive Rezensionen. Ich kann mir meinen Teil denken.
Flucht ins Auto
Also entschied ich, mein Handy noch kurz aufzuladen und zu fahren. Anstatt nochmal Geld für eine Unterkunft auszugeben ( das Geld wurde mir nicht erstattet, klar) suchte ich mir etwas außerhalb der Stadt einen ruhigen Platz auf einem Hügel, in der Nähe eines Friedhofs, und machte es mir im Auto bequem. Die Hunde lagen entspannt, ich war müde – endlich konnte ich die Augen schließen.
Doch der Schlaf hielt nicht lange. Ein Motorgeräusch, eine Taschenlampe – jemand leuchtete ins Auto. Es war die Polizei.
Meine Hündin Sira freute sich natürlich riesig über die nächtlichen Besucher – bei einem echten Überfall hätte sie sich vermutlich genauso gefreut.
Die Polizisten waren freundlich und erklärten mir, dass man dort leider nicht schlafen dürfe. Sie zeigten mir über Google Maps einen sicheren Parkplatz etwas weiter unten, nur wenige Minuten entfernt.
Schlaflos in Toulon
Ich fuhr dorthin, parkte – aber an Schlaf war kaum noch zu denken. Es war zu hell, ich konnte das Auto nicht richtig abdunkeln, die Hunde breiteten sich quer über die Rückbank aus, und als Krönung summten zwei Moskitos unermüdlich um mich herum.
Kurz vor acht Uhr gab ich auf, ging eine Runde spazieren und beschloss, einfach weiterzufahren. Müde, aber erleichtert, diese Stadt hinter mir zu lassen.
Was ich daraus gelernt habe
1. Rezensionen immer genau lesen – vor allem die schlechten.
2. Nie wieder Toulon. Für mich ist diese Stadt einfach nichts – laut, unruhig, unschön. Vielleicht sehen das andere anders, aber ich habe mein Urteil gefällt.
Manche Reisen verlaufen eben nicht so, wie man sie sich vorstellt. Doch im Nachhinein wird selbst so ein Erlebnis zu einer Geschichte, die man nie wieder vergisst – besonders, wenn sie an Halloween passiert.
Bis zum nächsten Mal . Eure Sarah