Was Zeit mit uns macht- Gedanken zum Juni

Veröffentlicht am 31. Mai 2026 um 07:30

Der Juni fühlt sich jedes Jahr wie eine kleine Zwischenstation an. Die Hälfte des Jahres ist vorbei, und plötzlich fragt man sich mit einem Blick auf den Kalender, wo die Zeit eigentlich geblieben ist.

Die Illusion von Sicherheit

Oft denken wir in starren zeitlichen Rahmen und vertrösten uns selbst:

„Nächstes Jahr... Wenn ich mehr Geld gespart habe....Wenn der richtige Zeitpunkt kommt.“

Wir verschieben große Träume auf später, weil uns dieses „Später“ im Kopf so viel vernünftiger erscheint als das unberechenbare Jetzt.

Dabei spricht unser Herz längst eine klare Sprache. Es fordert uns auf:

„Mach es. Geh los. Lass los, was dir nicht mehr guttut.“

Doch statt der Intuition zu vertrauen, beginnen wir augenblicklich zu rechnen und zu planen – gefangen in der Illusion, erst vollkommen bereit sein zu müssen, bevor wir anfangen dürfen zu leben.

Mit der Zeit werden wir vorsichtiger, aber nicht ehrlicher zu uns selbst. Dabei entstehen die schönsten Veränderungen nicht aus perfekten Plänen, sondern aus mutigen Momenten – aus Entscheidungen, die sich im Inneren goldrichtig anfühlen, noch bevor der Verstand sie logisch erklären kann.

Vor zehn Jahren hatte ich diesen Mut: Damals bin ich einfach mit nichts als einem Rucksack nach Ibiza gegangen – ohne Sicherheiten, ohne Plan, ohne Spanischkenntnisse. Es fühlte sich fantastisch an.

Frei, leicht, lebendig. Heute denke ich viel mehr nach. Vielleicht zu viel.

Ein Frühling voller Erkenntnisse

Genau dieses Nachdenken hat mich im Frühjahr eingeholt und mir gezeigt, dass es Zeit für einen bewussten Rückzug war. Im April habe ich mich ein Stück weit von der Welt da draußen distanziert. Ich war kreativ, habe unschätzbare Zeit mit meiner Family und Freunden verbracht und gleichzeitig intensiv gemerkt, wie sehr ich die Stille und die Zeit alleine mit mir selbst brauche, um meine innere Stimme wieder zu hören. Und im Mai hat sich dann ein kleiner, lang ersehnter Traum erfüllt: mein eigener Mini Camper. Er steht jetzt vor der Tür — als greifbares Symbol für Unabhängigkeit und als mein ganz persönliches Ticket in die Freiheit. Fast zeitgleich war ich nach zwei Jahren endlich wieder auf Mallorca. Ein Ort, der sich tief in meinem Herzen immer noch wie ein echtes Zuhause anfühlt.

Die leise Frage nach dem „Woher“ und „Wohin“

Seit diesen Wochen im Aufbruch wird eine Frage unüberhörbar laut: Was mache ich eigentlich hier in Österreich, wo ich doch sogar auf Spanisch denke? Mein Job bietet Sicherheit, aber mein Herz will längst mehr als einen Tapetenwechsel. Ich sehne mich nach einem neuen Umfeld, nach Ruhe und tiefen Begegnungen mit Menschen, die sensibel, spirituell und schonungslos ehrlich sind. Ich spüre, wie sehr ich mich verändert habe: Ich bin ruhiger und feinfühliger geworden – aber auch viel klarer darin, was sich für mich noch richtig anfühlt und was nicht mehr.

Die Kunst des Erwachsenwerdens

Und genau das ist das Schwierige am Erwachsenwerden: Nicht herauszufinden, was man laut Gesellschaft tun sollte, sondern den Mut aufzubringen, wieder bedingungslos auf sich selbst zu hören. Ich kenne noch nicht alle Antworten. Ich weiß noch nicht genau, wie das nächste Kapitel im Detail aussehen wird, der erste Schritt ist getan. Vielleicht reicht es fürs Erste völlig aus, aufzuhören, die eigene Wahrheit ständig auf später zu verschieben.

Das JETZT ist alles, was wir haben.

bis zum nächsten mal, eure Sarah